Das Universum der tadschikischen Stickerei. TSCHAKAN

03.04.2020 11:27

chakanduzi-12.jpg Das Sticken von Ornamenten, Blumenbildern und symbolischen Zeichnungen mit bunten Fäden auf Baumwoll- oder Seidenstoffen wird in Tadschikistan „Tschakan“ genannt. Die Tradition ist bei Frauen und Mädchen in Tadschikistan weit verbreitet. Sie sticken etwas auf Hemden, Kopftücher, Vorhänge, Kissen, Tagesdecken und Bettdecken für Wiegen. Die Stickerei enthält neben symbolischen Darstellungen auch mythologische Bilder, die sich auf die umgebende Natur und den Kosmos beziehen und Wünsche und Hoffnungen der Menschen zum Ausdruck bringen.

Die Stickerei ist eine der geliebten traditionellen Kunst der Tadschiken, die mit ihren lokalen und ethnischen Merkmalen bei vielen Nationen der Welt sehr beliebt ist.

Diese bildende Kunst hat in der Kulturgeschichte des tadschikischen Volkes uralte Wurzeln, die die innere Welt der Künstler im Allgemeinen, das traditionelle Wissen, die Hoffnung, den Glauben und die Träume der einfachen Leute widerspiegeln.

 

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 Meister aus verschiedenen Regionen Tadschikistans kreieren Stickartikel mit verschiedenen Techniken-mit Basma-, Tamburin-,Satin-und Kreuzstich. Die Stickerei hat in jeder Region des Landes ihre spezifischen Konstruktions-und Kompositionsmerkmale, angefangen von Stoffen und farbigen Fäden bis hin zum Ornament.

Im Norden Tadschikistans wird die Stickerei als Gulduzi bezeichnet. In dieser Region kombiniert man zwei Farben, in dem man dunkle Ornamente auf einem gelben Stoff darstellt. In Khatlon, im Süden des Landes wird diese uralte Kunst Tschakan genannt, welches die Bedeutung derselben Kunst zum Ausdruck bringt. Man bevorzugt hier bunte Fäden im roten Hintergrund. In der Region Bergbadachschan wird ein Tschakan-Kleid auf dem weißen Stoff gestickt. Im Westen nimmt man den grünen Stoff als Hintergrundfarbe.

Die tadschikischen Stickereien mit vegetabilen und geometrischen Ornamenten schmücken außerdem Brautschleier, Bezüge, Kissenbezüge, Decken, Vorhänge, Handtücher, Gebetstücher und viele andere Gegenstände des täglichen Lebens und Kostüme. In den Stickereien drücken die Menschen ihre Träume in symbolischen Formen, Mustern und mythologischen Merkmalen über die umgebende Natur und den Kosmos aus.

Jedes Muster hat seinen eigenen Namen, z.B. Sonne, Rose, Palme, Granatapfelblume, Pfeilspitze, Mandelform, Tulpe, Basilikum, Celosia, Nachtigall, Pfauenschwanz, Mond und Sterne, Ajdari-Blume und so weiter. Im Vergleich zu anderen Kunstformen hat die Stickerei mehr Ausdrucksmöglichkeiten im Bereich der thematischen und inhaltlichen Optionen. Diese Vielfalt wurde durch sozioökonomische, kulturelle, geographische und natürliche Faktoren beeinflusst.

 Die Stickerei ist ein weibliches Handwerk, nur eine kleine Gruppe von Männern ist an dieser Kunst beteiligt. Frauen und Mädchen sticken individuell und in der Gruppe. Sie versammeln sich in den Kunstzentren oder bei sich zu Hause und schmücken ihre Gegenstände. Sie fragen sich gegenseitig um Rat, lehren die Stickfertigkeiten der jungen Generation, manchmal schmücken sie gemeinsam das großformatige Produkt, wie das Deckchen Suzani oder den Brautschleier.

201812210330-887.jpg Die UNESCO hat die Stickereik „Tschakan“ in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Die Entscheidung wurde auf der Jahrestagung des UNESCO - Zwischenstaatlichen Komitees für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes getroffen, die in Port Louis (Mauritius) stattfand.  In die Repräsentative Liste des mündlichen und immateriellen Kulturerbes der UNESCO wurde bisher drei Traditionen der tadschikischen Kultur aufgenommen. Das sind die Kunst von Shashmaqom, eine besondere Ganre in der Musik, Nauruz-Feiertag und das traditionelle Gericht „Oschi Palow“. Vor einigen Jahren wurde die tadschikische antike Siedlung Sarazm und das Pamirgebirge in die UNESCO-Liste des materiellen Kulturerbes aufgenommen.

 

 

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